GSB 7.0 Standardlösung

Der Ölunfall - Häufig gestellte Fragen

Wie ist Deutschland auf einen großen Ölunfall vorbereitet?

Seit Januar 2003 ist das Havariekommando zuständig für das Unfallmanagement auf See. Dazu gehört auch die Bekämpfung von großen Ölverschmutzungen. Im Einsatzfall tritt innerhalb von weniger als 45 Minuten der so genannte „Havariestab“ des Havariekommandos zusammen, der die Führung des Einsatzes übernimmt. Unverzüglich werden die Einsatzkräfte vor Ort alarmiert und die zuständigen Behörden der Nachbarländer informiert. Entlang der gesamten deutschen Küstenlinie sind Materialdepots eingerichtet und Spezialschiffe für den Öleinsatz stationiert. In Deutschland und in seinen Nachbarstaaten wird das Öl hauptsächlich mechanisch bekämpft, das heißt es wird mit unterschiedlichen Systemen (Bürsten, Saugeinrichtungen etc.) von der Wasseroberfläche entfernt. Das geschieht mit rund 3000 Einsatzkräften entlang von drei Verteidigungslinien:

Auf hoher See wird die Ölfläche mit Hilfe von Ölsperren eingedämmt und von größeren Spezialschiffen von der Oberfläche abgeschöpft.
Im Küstennähe werden kleinere Schiffe dafür eingesetzt, im strandnahen Bereich stehen noch kleinere Einheiten zur Verfügung.
Von Land aus werden die Ölverschmutzungen mit Spezialgerät, aber auch mit Eimern und Schaufeln bekämpft.

Die Zusammenarbeit der verschiedenen Organisation wird in rund 160 Übungen pro Jahr immer wieder trainiert. Die Mitarbeiter des Havariekommandos überprüfen die Einsatzkonzepte fortlaufend und passen sie neuesten Erkenntnissen an.

Was sind Dispergatoren und wie wirken sie?

Dispergatoren sind chemische Mittel, die zur Ölbekämpfung eingesetzt werden können. Der Einsatz von so genannten Dispergatoren ist für den Nord- und Ostseebereich nicht zulässig (Bonn- und Helsinkiabkommen) und spielt somit in Deutschland eine sehr geringe bis gar keine Rolle. Im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) ist das Einbringen chemischer Stoffe in Gewässer verboten.

Dispergatoren verringern die Oberflächenspannung von Öl. Dadurch bilden sich sehr kleine Öltropfen, die sich mit der Wassersäule mischen und so von Bakterien abgebaut werden können. Allerdings bringt man zusätzlich zum Öl noch eine weitere Chemikalie ins Wasser, ohne dass das Öl von dort tatsächlich entfernt wird.

Bei ungünstigen Bedingungen (starke Strömung, hohe Wellen) kann das Ausbringen von Dispergatoren eine (letzte) Möglichkeit sein, besonders sensible Gebiete zu schützen. Bei Emulsionen wirken Dispergatoren nicht.

Grafik zur Wirkungsweise von Dispergatoren Titel: Wirkungsweise von Dispergatoren | Quelle: N/A


Was bringt das „Abfackeln“ von Öl?

Das so genannte „in-situ-burning“ wird in Deutschland nicht angewendet.
Um Ölteppiche abzubrennen, wird das Öl mit feuerfesten Ölsperren auf einer bestimmten Fläche zusammengedrängt und dann angezündet. Die Gase und die Rußwolken, die dabei entstehen, sind jedoch gesundheitsgefährdend. In küstenfernen Gebieten kann man einen solchen Versuch wagen, weil sich die gesundheitsgefährdenden Stoffe weiträumig verteilen. Das deutsche Seegebiet ist hierfür zu klein und zudem noch stark von Schiffen befahren.

Was passiert, wenn das Öl an Land treibt?

Das hängt davon ab, wie der Küstenabschnitt beschaffen ist. Auf Sand und an Felsenküsten kann man das Öl relativ leicht mit Spezialgerät, Hochdruckreinigern sowie mit Eimern und Schaufeln entfernen, da hat man bei anderen Ölunfällen schon gute Erfahrungen gemacht. Im Wattenmeer oder anderen Flachwasserbereichen zum Beispiel könnte es wesentlich schwieriger werden. Die einzusetzenden Bekämpfungsmethoden richten sich unter anderem nach Jahreszeit, Ölart und Wetterbedingungen.

Kann man Tiere vor dem Öl schützen?

Grundsätzlich gäbe es zwei Möglichkeiten Tiere vom Öl fernzuhalten: Vergrämen und Einfangen. Leider haben beide Methoden oftmals nur Erfolg in begrenzten Gebieten (z.B. Häfen) und nicht in offenen Habitaten (Meere, Küsten).


Vergrämen

Mittel zu Vergrämung können sein:

Visuell:
glänzende, reflektierende Gegenstände
Fahnen
Ballons
Drachen
Rauch
Feindattrappen.

Auditiv:
laute Geräusche von Propan-Kanonen,
Warneinrichtungen,
Störrufe oder Feindgeräusche vom Band,
andere Geräusche.

Andere:
Treiben der Tiere mit Flugzeugen, Hubschraubern oder Booten.

  • Eine Chemikalie, die Traubengeruch erzeugt, wurde zusammen mit der Fütterung von Vögeln erfolgreich genutzt, um Vögel von Mülldeponien fernzuhalten. So könnte man einen Puffer um die verölte Fläche herum schaffen. Tauchende Vögel lassen sich davon jedoch nicht beeindrucken.
  • Wenn besonders gefährdete Tierarten geschützt werden sollen, finden durchaus auch ungewöhnliche Methoden Anwendung.
    Zwei Versuche zum Fernhalten von Fischen:

Durch Beobachtungen wurde herausgefunden, dass viele Fische empfindlich gegenüber grellem Licht sind. Durch Beleuchtung kann man sie evtl. von bestimmten Gebieten fernhalten. Bestimmte Fischarten werden jedoch auch davon angelockt.

Die meisten Fische können Vibrationen wahrnehmen. Mit hohen Frequenzen wurden Fische von Turbinen in Wasserkraftwerken ferngehalten. Nicht alle, aber einige Fischarten reagieren darauf.

Oft wird eine Kombination verschiedener Methoden eingesetzt. An Land und bei kleineren Unfällen sind die einzelnen Maßnahmen leichter anzuwenden. Die Arbeiten der Einsatzkräfte sind für fluchtfähige Tiere häufig schon Abschreckung genug.

Einfangen

Das Einfangen (und Versorgen) der Tiere ist eine komplizierte und aufwendige Tätigkeit, die gute Planung erfordert. Diese Methode sollte nur bei leicht zu fangenden oder ganz besonderen Tieren angewendet werden. Nicht kontaminierte Gebiete, wo die Tiere wieder freigelassen werden können, sollten schon vor dem Einfangen bestimmt werden.

Kann/soll man verölte Tiere reinigen?

Es ist schwer, die gesundheitlichen Folgen von verölten Seevögeln zu behandeln. Ist das Öl erst einmal in den Verdauungstrakt der Tiere gelangt, kommen zu der oberflächlichen Verölung die inneren Folgen. Speziell ausgebildetes Personal und eine ausgereifte Logistik ist notwendig, um Erfolge beim Einfangen, der Reinigung und Rehabilitation verölter Seevögel erzielen zu können.

Die Reinigung und Rehabilitation von verölten Seevögeln ist in Deutschland umstritten. Die Frage, die zwischen Befürwortern und Gegnern diskutiert wird, ist: Gelingt es nach der Reinigung, die Seevögel wieder in ihren natürlichen Lebensraum einzugliedern oder verlängert die Reinigung die Qual der Tiere?

Zurzeit liegen nur wenige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse über Rehabilitationsmaßnahmen bei verölten Seevögeln vor. Bekannt ist, dass der Erfolg von Reinigungsmaßnahmen neben der Konstitution des Vogels u. a. von der Vogelart, dem Wetter, dem Öltyp und der Anzahl der betroffenen Vögel abhängig ist.

Eine erfolgreiche Reinigung und Freilassung eines verölten Vogels kann im Regelfall noch nicht mit einer erfolgreichen Rehabilitation (Wiedereingliederung) des Tieres gleichgesetzt werden, denn unter Rehabilitation ist die dauerhafte Wiedereingliederung eines Vogels in eine frei lebende, reproduzierende Brutpopulation zu verstehen. Von den freigelassenen ehemals verölten Vögeln überlebt meist eine geringere Anzahl. Durch Ringkontrollen kann nachverfolgt werden, ob sich die überlebenden Vögel in den Brutkolonien erfolgreich eingliedern können.

In einigen offiziell zugelassenen Rehabilitationsstationen werden Seevögel von Öl gereinigt und auf die Wiedereingliederung in die Natur vorbereitet. Das geschieht unter genau definierten Bedingungen, um eine gesicherte Datenbasis über Erfolg oder Misserfolg der Reinigungsmaßnahmen zu erhalten. Verölte Seevögel, die keine Aussicht auf eine erfolgreiche Rehabilitation haben, werden von ihrem Leiden erlöst. Das geschieht ausschließlich durch speziell ausgebildetes Fachpersonal, z.B. durch Tierärzte.

In den USA gibt es den weltweit größten Erfahrungsschatz beim Umgang mit verölten Tieren mit einer großen Anzahl speziell ausgebildeter Fachkräfte.